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Geschenke im Büro: der Weihnachts-Knigge

Aktualisiert August 2026

Der ganze Knigge passt in eine Regel: Im Büro wird nach unten oder zur Seite geschenkt, nie nach oben. Die Chefin darf dem Team kleine, gleiche Geschenke machen, Kolleginnen schenken Kollegen — aber ein Einzelgeschenk von dir an deinen Chef wirkt wie Anbiederung, egal wie ehrlich es gemeint ist. Und wenn dein Büro wichtelt, ist das Wichteln das Geschenk — du schuldest niemandem etwas obendrauf. Alles Weitere ist diese eine Regel, angewendet auf die Situationen, über die man wirklich grübelt.

Wichteln ist die Lösung — und das komplette Geschenk

In den meisten deutschen Büros ist die Frage nach Weihnachtsgeschenken längst beantwortet: Es wird gewichtelt, meist rund um die Betriebsfeier. Und das ist keine Notlösung, sondern die eleganteste Form, die das Büroschenken je gefunden hat — ein Geschenk pro Person, ein festes Budget, kein Wettrüsten. Wer ordentlich mitwichtelt — im Budget, pünktlich, mit etwas, das wirklich zur gezogenen Person passt — hat damit alle Verpflichtungen erfüllt. Der Sitznachbarin, dem Bürofreund, der Organisatorin: niemandem schuldest du noch etwas extra.

Zusatzgeschenke neben dem Wichteln machen es leise kaputt. Wer dein Extra bekommt, steht plötzlich in deiner Schuld; wer es sieht, fragt sich, ob er auch etwas hätte mitbringen müssen; und nächstes Jahr hat die Wichtelrunde eine Schattenwirtschaft. Halte die Obergrenze ein — sie ist genau das, was alle als Gleiche mitmachen lässt.

  • Gib das vereinbarte Budget aus — nicht die Hälfte, und nicht das Doppelte, um zu glänzen.
  • Ziel auf deine Person: ein Detail, das du über sie weißt, schlägt jede Duftkerze von der Stange.
  • Verrate nicht, wen du gezogen hast — auch hinterher nicht. Das hält die Ziehung im nächsten Jahr entspannt.
  • Willst du einer Bürofreundin etwas Persönliches schenken, mach das privat — außerhalb der Runde.

Muss ich dem Chef oder der Chefin etwas schenken?

Als Einzelperson: nein. Das ist die älteste Regel des Büroschenkens, und sie schützt vor allem dich. Ein Geschenk, das allein die Hierarchie hinaufwandert, sieht nach gekauftem Wohlwollen aus — für den Chef, für die Personalabteilung und besonders für die Kollegen, die keins gegeben haben. Selbst eine Chefin, die sich ehrlich freut, sitzt danach in der Klemme: Sie kann sich bei dir allein nicht revanchieren, ohne Günstlingswirtschaft zu spielen.

Die Ausnahme ist das Gruppengeschenk. Wenn das ganze Team ein paar Euro für eine Karte und eine Kleinigkeit zusammenlegt, ist das eine Geste vom Team, kein Angebot einer Einzelperson — niemand überbietet jemanden, und der Chef kann es sauber annehmen. Organisiert jemand so etwas, gib den vorgeschlagenen Betrag dazu. Organisiert es niemand, musst du nicht die Person sein, die damit anfängt.

Was Vorgesetzte von dir persönlich tatsächlich schätzen, kostet nichts: ein konkreter, handgeschriebener Satz in der Weihnachtskarte über etwas, das sie dieses Jahr getan haben und das deine Arbeit besser gemacht hat. Das wiegt mehr als alles, was du einpacken könntest — und keiner schaut schief.

Schenken Chefs ihren Teams etwas?

Ja — das ist die Richtung, in die Geschenke fließen sollen. Die beiden entscheidenden Wörter sind klein und gleich: dasselbe Geschenk oder erkennbar gleichwertige Geschenke für alle im Team. In dem Moment, in dem ein Geschenk schöner ausfällt als die anderen, ist es keine Wertschätzung mehr, sondern eine öffentlich verlesene Rangliste.

Klein zählt dabei für sich. Ein üppiges Geschenk von oben erzeugt eine Schuld, die unten niemand begleichen kann — nach oben zurückschenken ist ja gerade tabu. Die freundlichere Wahl ist also etwas so Bescheidenes, dass ein Dankeschön die Rechnung ausgleicht: ein guter Kaffee, ein schönes Notizbuch, etwas zum Aufessen. Wer wirklich Geld fürs Team ausgeben will, gibt ein Essen für alle aus.

Bei einem großen Team, wo gleiche Geschenke unpraktisch werden, gilt: eine handgeschriebene Karte pro Person mit einem konkreten Satz über ihr Jahr schlägt jedes generische Geschenk, egal zu welchem Preis.

Wie viel Budget für Kolleginnen und Kollegen?

Bescheiden und gleich, in dieser Reihenfolge. Bescheiden heißt: ein Betrag, bei dem niemand zweimal überlegen muss, ob er mithalten kann — in den meisten Büros landet das irgendwo zwischen 10 und 20 €, und nichts an der Jahreszeit verlangt mehr. Gleich heißt: Wenn du einer Teamkollegin offen etwas schenkst, schenkst du den anderen auf demselben Niveau — oder du schenkst privat, außerhalb des Büros.

Der klassische Fehler ist nicht Geiz, sondern Großzügigkeit: Ein teures Geschenk an eine Kollegin verlangt eine Gegenleistung, die sie nicht eingeplant hat, und ein teures Geschenk an eine Kollegin vor allen anderen ist eine Aussage über alle anderen. Wenn dir jemand im Büro über den Job hinaus wirklich wichtig ist, findet dieses Geschenk außerhalb statt — und niemand im Büro muss es sehen.

Noch ein Punkt, der in Deutschland dazugehört: In manchen Unternehmen deckeln Compliance-Regeln, welchen Wert Geschenke haben dürfen — vor allem, sobald Geschäftspartner oder Kunden im Spiel sind, manchmal aber auch intern. Bevor du für die Abteilung sammelst oder dem Team etwas Größeres mitbringst, wirf einen Blick in die Richtlinien deiner Firma oder frag kurz bei der Personalabteilung nach.

Höflich aussteigen, ohne dass es jemand krummnimmt

Aussteigen ist völlig in Ordnung — genug Leute lassen das Büroschenken aus, wegen des Budgets, aus religiösen oder aus persönlichen Gründen, und keiner davon schuldet dem Büro eine Erklärung. Der ganze Trick liegt in Timing und Kürze: Sag der Organisatorin Bescheid, wenn die Liste herumgeht, nicht wenn die Namen schon gezogen sind, und bleib bei einem Satz. „Ich setze dieses Jahr beim Wichteln aus, aber ich bin sehr gespannt, was ihr zieht“ beendet das Thema vollständig. Begründungen laden zu Gegenangeboten ein; ein freundlicher Satz nicht.

Steig aus der Wichtelrunde aus, nicht aus dem Miteinander. Geh zur Betriebsfeier, schau beim Auspacken zu, unterschreib die Karten. Und falls dir trotzdem jemand etwas schenkt: Ein warmes Dankeschön ist die vollständige, korrekte Antwort. Ein ungefragtes Geschenk erzeugt keine Schuld — und ein hektisches Gegengeschenk im Januar verlängert die Verlegenheit nur.

Was sicher ist — und was nie

Für eine Kollegin, die du kaum kennst, heißt sicher: verzehrbar, neutral, am Schreibtisch zu gebrauchen. Gute Schokolade, ordentlicher Kaffee oder Tee, ein schöner Stift, eine kleine Pflanze, ein Gutschein fürs Café um die Ecke. Wenn es neben ihrer Tastatur liegen könnte, ohne aufzufallen, passt es. Kennst du das eine öffentliche Hobby — die Marathonmedaillen, die Sauerteigfotos —, zeigt eine kleine Anspielung darauf Aufmerksamkeit, ohne Nähe zu behaupten, die es nicht gibt.

Ein paar Kategorien sind im Büro nie sicher, egal wie gut sie gemeint sind. Alles Parfümierte und Körpernahe — Parfüm, Lotion, Badezusätze — unterstellt eine Meinung dazu, wie jemand riecht oder aussieht, und in diesem Register willst du mit Kollegen nicht landen. Alkohol nur, wenn du sicher weißt, dass die Person trinkt; falsch geraten ist hier nicht zu reparieren. Alles romantisch Codierte — Schmuck, Blumen, wieder Parfüm — liest die beschenkte Person genauso wie alle, die beim Auspacken zusehen. Und Insiderwitze, die Kontext brauchen, unterhalten ein Publikum von einer Person, während der Rest des Raums sich fragt, was er verpasst hat.

Für Selbstgemachtes und Essbares gilt eine eigene Regel: für alle gemacht funktioniert, für dich allein gemacht wird schnell intensiv. Eine Dose Plätzchen für die Kaffeeküche ist das beliebteste Bürogeschenk überhaupt — schreib die Allergene dazu und denk daran, dass nicht alle Weihnachten feiern. Ein einzelnes handgestricktes Stück für eine bestimmte Kollegin dagegen trägt Stunden deiner Arbeit in sich und landet mit einem Gewicht, mit dem die meisten nichts anzufangen wissen.

Was du nicht tun solltest

Die meisten Geschenk-Pannen im Büro sind keine schlechten Geschenke, sondern gute Geschenke, schlecht gehandhabt. Der rote Faden: Bürogeschenke sind öffentlich, anders als private. Was immer du übergibst — alle im Umkreis von zehn Metern sind Teil des Austauschs. Diskretion ist im deutschen Büro keine Kür, sondern die Grundeinstellung.

  • Über Preise reden — ansagen, was du ausgegeben hast, oder herausfischen, was jemand für dich ausgegeben hat, macht aus einer Geste eine Rechnung. Wenn du das Wichtelbudget gesprengt hast, ist auch das ein Geheimnis.
  • Sichtbar ungleiche Geschenke im Team — eine Duftkerze für fünf Kollegen und ein Single Malt für den sechsten ist keine Großzügigkeit, sondern eine verlesene Rangliste. Gleich in der Öffentlichkeit, persönlich im Privaten.
  • Das Last-minute-Regift aus dem Bürofundus — der Werbekugelschreiber vom Lieferanten, der Tombola-Wein, die Messetasche mit Logo. Die Sachen erkennt jeder wieder, und ein erkanntes Regift sagt lauter „du warst mir ein Nachgedanke“ als gar kein Geschenk.
  • Scherzgeschenke mit Zielscheibe — ein Witzgeschenk funktioniert, wenn der Witz das Geschenk ist. Es kippt, wenn der Witz die beschenkte Person ist, vorgelesen vor ihren Kollegen.
  • Die Runde verpflichtend wirken lassen — wer Ausgestiegene zur Teilnahme drängt oder aufzählt, wer nicht mitgemacht hat, nimmt ihnen genau die Selbstverständlichkeit, auf die sie ein Recht hatten.

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